Weil es Menschen sind
- 8. Aug. 2015
- 2 Min. Lesezeit
Ich dachte nicht, irgendwann einmal darüber schreiben zu müssen, ich ging davon aus, wir hätten aus unserer Geschichte gelernt. Die Realität sieht offenbar leider anders aus.
Deshalb hier und in aller Deutlichkeit:
Menschen fliehen nicht, weil sie Lust dazu haben. Kein Mensch lässt freiwillig, seine Eltern, Kinder, Freunde, sein Zuhause, seine Heimat - ohne die Chance auf ein Wiedersehen - so einfach zurück. Kein Mensch nimmt Vergewaltigung, Folter und die Möglichkeit des eigenen Todes in Kauf, wenn er einen anderen Ausweg sehen würde. Die Debatte Pro- oder Contra-Flüchtlinge geht am Thema vorbei. Menschen sind keine Atomkraftwerke, die man ausschalten kann, wenn man sich gegen ihre Existenz entscheidet. Sie sind kein Bauprojekt, das man abblasen kann, wenn es zu teuer wird. Ich bin nicht "Pro-Flüchtlinge", denn im besten Fall müssten Menschen nicht ihr komplettes Leben aufgeben um zu überleben. Müssten Frauen nicht ihre Säuglinge auf dem kalten Boden der Bahnhofshalle schlafen legen, in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstehen. Müssten Männer nicht die Entscheidung über ihr weiteres Leben in die Hände ausländischer Behörden legen und hilflos erleben was es heißt, nicht mehr Herr des eigenen Schicksals zu sein.
Es geht nicht um Pro-Flüchtlinge, es geht um Pro-Menschlichkeit.
In Deutschland kommen ca. 12 Geflüchtete auf 1000 Einwohner. Das schaffen wir schon. Auch wenn es irgendwann 13, 14 oder 15 auf 1000 sein werden. Habt keine Angst. Der Ort der Geburt und die Anzahl der Pigmente sagt nichts über Kopf, Verstand und Herz eines Menschen.
Falls die Zukunft uns eines Tages dazu zwingen sollte, unsere Familie, unsere Heimat und alles was uns lieb ist, zurücklassen zu müssen und unser Leben zu riskieren um zu überleben, dann würde ich mir wünschen, das mir in der Fremde jemand eine Chance gibt. Falls wir eines Tages das Leben unserer Kinder nur dadurch retten könnten, das wir sie auf eine monatelange Flucht schicken, in deren Verlauf, sie eingesperrt, geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und gedemütigt werden, dann hoffe ich, dass am Ende ihrer Odyssee jemand ist, der unsere Töchter und Söhne mit offenen Armen und Herzen empfängt und ihnen gibt, was wir ihnen dann nicht mehr geben können: eine rettende Hand; eine Umarmung; eine Chance. So wie jetzt in Syrien, in Afghanistan, in Eritrea und Somalia Mütter sitzen, die sich das gleiche für ihre Söhne und Töchter wünschen.
Lasst uns Menschen herzlich empfangen. Bringt Kuchen vorbei, oder ein paar gute Worte. Setzt euch in der S-Bahn neben sie. Schenkt ein Lächeln und das Radl, das seit Jahren unbenutzt in eurem Keller steht.
Lasst uns offen, mitfühlend, tolerant und neugierig, lasst uns menschlich sein.

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